NEBEL
Nebel fällt vom Laub in Kaskaden.
Wie gewichtig ein einzelner Tropfen wird!
Durchs Wiesental treiben Frühnebelschwaden.
Und in den Erlen und Espen schwirrt
Von Blatt zu Blatt die Tropfenerregung.
Die wehen Blätter lösen sich los
Und fallen ohne Windesbewegung
Grade zur Erde. Die Stille ist groß.
So könnte man stehen und könnte sehen,
Wie die Zeit entsteht und wie Leben vergeht
Und wie die Wandlungen mählich geschehen,
Vor denen uns jäh der Atem vergeht...
Die plötzliche Trauer, schnittscharf und schmerzlich:
Und das soll alles gewesen sein?
So wenig Sommer, so wenig herzlich:
Möglichkeiten groß und Wirklichkeit klein...
Und nun schon Nebel, grauend und gründlich,
Schleichender Farbtod, mürber Geruch.
Jetzt kommt die Zeit, da erwartet man stündlich
Ein Wunder fürs Leben oder - Besuch.
Eva Strittmatter
~~~~
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen