Photo: pbemjestes from Flickr ( CC BY 2.0)
„Von 2021 bis 2023 flossen über sieben Milliarden Euro an NGOs in so zentralen Politikbereichen wie Zusammenhalt, Forschung, Migration und Umwelt“, stellte Laima Andrikienė vom Europäischen Rechnungshof im April fest. Jetzt ist durch Recherchen der Welt am Sonntag herausgekommen, dass es sogar eine gezielte und enge Zusammenarbeit gab zwischen Mitarbeitern der EU-Kommission und Umweltaktivisten und -lobbyisten, um mit EU-Fördergeldern Klagen und Kampagnen gegen europäische Unternehmen durchzuführen. Es ist schade um das Geld. Deutlich problematischer ist jedoch der Reputationsschaden, der entsteht, sobald (nicht wenn oder falls!) so etwas herauskommt. Wieder ein deutlicher Punktsieg für alle, die es mit der EU nicht gut meinen – von den einheimischen Populisten bis zu den Feinden der Offenen Gesellschaft in Moskau und Peking. Die Sektkorken knallen dort so laut, dass selbst den größten Kritikern Brüssels das hämisch-wissende Grinsen aus dem Gesicht fallen sollte.
Wie oft hört man doch die Klagen, dass Menschen in Filterblasen leben, dass sie sich nur noch in ihren Internetforen und tiktok-Kanälen selbst bestätigen, dass sie unzugänglich sind für Argumente von außen. Wie oft hört man diese Klagen von genau den Leuten, die auf solche aberwitzigen Ideen kommen wie ein staatlich gepäppeltes Aktivistenprogramm gegen die eigene Wirtschaft. Oder auch: crony activism. Wie beim crony capitalism nutzen hier einflussreiche Gruppen (in dem Fall aus der NGO-Szene und nicht aus der Wirtschaft) die Ressourcen, die der Staat ihnen zur Verfügung stellt, um ihre Agenda stark zu machen. Das ist aus demokratietheoretischer Sicht kein Deut besser als die übliche Kungelei zwischen Großunternehmen und Politik. Es ist aber für das System freiheitlich-demokratischer Rechtsstaaten noch deutlich bedrohlicher. Denn es verstärkt (leider eben bisweilen aus guten Gründen) massiv das bereits bestehende Misstrauen gegen das „Establishment“. Wahrscheinlich oft in der festen Überzeugung, für das Gute, Wahre und Schöne zu streiten, verrichtet eine Filterblase aus Aktivisten, Bürokraten und Politikern mit ihrem crony actvism für die Feinde der offenen Gesellschaft die Drecksarbeit.
