Freitag, 2. Januar 2026

Kontakt halten

Im Rückblick auf das vergangene Jahr muss ich bekennen, dass ich weniger in die Pfarrgemeinden unseres Bistums gereist war als früher. Das hat verschiedene Gründe und kann vermutlich auch im Neuen Jahr nicht behoben werden. Aber es wäre - es ist! - wichtig. So hatte ich in der Weihnachtsoktave auf die noch funktionierenden modernen Mittel der Kommunikation zurückgegriffen und Kontakt zu den Pfarrern der entlegensten Pfarreien aufgenommen, um zu erfahren, wie dort die Dinge stehen, aber auch einfach, um ein Zeichen brüderlicher Solidarität zu geben. Die östlichste Pfarrei unseres Bistums ist die in Orsk (Foto), wo, wie wir sagen, die Sonne bei uns aufgeht. Die Stadt wird vom Fluß Ural durchquert, der die Grenze zwischen Europa und Asien darstellt. Pater Waldemar, der Pfarrer, gehört zur Ordensgemeinschaft der Redemptoristen. Außerdem sind in der Gemeinde Nazareth-Schwestern tätig, die sich u.a. der profesionellen Sorgen um von Autismus betroffenen Kindern widmen. 

Eine unserer Letzten

An Silvester, ein paar Stunden vor ihrem 96. Geburtstag ist Oma Helena in Alexejewka verstorben. Sie war eine der letzten Deutschen, die in diesem Dorf "am Ende der Welt", wie ich gern sage, zu einer Zeit gelebt hatte, in der es dort keinen einzigen katholischen (oder anderen) Priester gab. Keine Kirche. Keine Bibel. Kein Religionsunterricht. Nichts! Über 60 Jahre lang war in diesem Dorf kein "Pater" gewesen. So nannten die Russlanddeutschen ihre Geistlichen: Der Pater. 1991 kam ich zum ersten Mal ins Dorf, das damit zur Außenstation meiner Pfarrei in Marx (800 km entfernt) wurde. Helena und ihr Mann Johann, beide im vorgerückten Alter und längst standesamtlich "zusammengeschrieben", waren damals das erste Paar, das wieder, von einem Priester assistiert, kirchlich heiraten konnte.
Auch als sie schon nicht mehr zur Kirche kommen konnte, besuchte ich sie gewöhnlich, wenn ich in Alexejewka war. Dann gab es immer ein Schnapsgläschen mit Wein und mit Wurst belegte Brote. Und zum Mitnehmen füllte mir der Sohn Hans beinahe traditionsgemäß ein großes Glas vom Honig der eigenen Bienen ab.
Herr, gib Helena und ihrem Mann Johann die ewige Ruhe! Lass sie ruhen in Frieden. Amen. 

Ein g e s u n d e s Neues Jahr!

Es tut gut, einmal nicht schreiben zu müssen. - Von "muss" kann ja keine Rede sein, versuche ich mich innerlich zu überzeugen, aber "ein Zwang liegt auf mir. Weh' mir, wenn ich nicht ..." - Richtig, das sind Worte des heiligen Paulus im ersten Brief an die Gemeinde in Korinth. Und da ging es um das Evangelium, nicht ums Internet. Aber zurück zum Blog und den täglichen Einträgen: Ich hoffe auch im neuen Jahr, wach zu bleiben für das, was gerade dran ist, und nicht unter Erwartungsdruck zu geraten, weder im Internet noch anderswo. Und das wünsche ich auch allen, mit denen ich über diese kleine Homepage verbunden bin. 

Ich war Am Silvesterabend "abgetaucht" nach Marx, wo wir die Schwelle zum Neuen Jahr betend überschritten (Foto oben) und uns einen freien Neujahrstag leisteten. 

Obwohl in Russland bis zum 11. Januar einschließlich schul- und arbeitsfreie Tage verkündet sind, werde ich heute Nachmittag im Büro nach dem Rechten schauen. Und am Abend kommt Besuch!

Ein zweites Foto vom Neujahrstag drängt sich auf. Vorn im Bild, da wo die Fichten stehen, stand einst die katholische Kirche in Marx (Katharinenstadt). Erst Mitte der 80-er wurde sie abgerissen. Hinten, das ist die große evangelische Kirche mit dem wiedererrichteten Turm. Auf halbem Weg dorthin: ein Lenindenkmal. Er "schaut" auf die Kirche. Was wird er wohl denken?

Dienstag, 30. Dezember 2025

"...Gott ist bei uns am Abend und am Morgen..."


Kommen wir nun zum Jahresabschluss. Ein aktuelles Foto dafür habe ich von unserer Caritasdirektorin, Oksana, bekommen. Sie war zu Weihnachten im Kaukasus, also im Süden unseres Bistums, um einen Krankenbesuch zu machen. Welcher Berg das da am westlichen Horizont sei, fragte sie mich. Nur der Elbrus ragt mit seinen 5.642 Metern über die umliegenden Gipfel und Bergketten hinaus. Zum abendlichen Bild im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Jahresende passt das Lied mit Bonhoeffers Worten: "Von guten Mächten treu und still umgeben".

Die ersten Drei


Als der Advent begann, hatte ich die leise Vorahnung, dass es ein paar schöne Bilder der kommenden Wochen geben wird. Ich hatte dann darauf geachtet und lege mich heute in meinem Archiv auf diese drei Fotos fest. Sie haben mir besonders gut gefallen:
  • Links: Weihbischof Stephan Lipke zelebriert eine Rorate-Messe in der Novosibirsker Kathedrale. Dass es Novosibirsk ist, erkennt man am Gemälde hinter dem Altar. Das, was dort als "Verklärung des Herrn" (Raffael) dargestellt ist, könnte man im Halbdunkel des Advents auch als Wiederkunft Christi deuten. (Fotograf: Sr. Anastasia)
  • Mitte: Zwei Kinder an einem Adventssonntag während der Predigt hinter der letzten Kirchenbank in Saratow. (Fotograf: Nikolaij)
  • Rechts: Nordkaukasus am 25. Dezember 2025. Mutter und Kind auf dem Flug nach Hause. (Fotograf: Oksana)

Geburtstag in der Caritas

Alla Semjonovna hat heute Geburtstag. Sie ist eine unserer wenigen Caritasmitarbeiterinnen in Saratow. Ihre Hauptaufgabe ist die Hauskrankenpflege und alles, was im weiteren Sinne dazugehört, z.B. das Einkaufen. Alla Semjonovna hat eine besondere Art, mit wenigen Worten Impulse zum Weitermachen zu geben, wenn andere schon ein wenig müde scheinen. Manchmal kommen wir mit ihr urplötzlich in tiefe Gedanken, wie z.B. heute, als sie bei einer Nebensache zu verstehen gab, dass Gott eigenartiger Weise nicht immer tut, worum wir ihn bitten. Ich bin überzeugt, dass sie, auch wenn sie zur Pflege geht, dort über ihren Glauben spricht und dadurch auf eine gute Weise provoziert, so dass man mitdenken muss. 

Montag, 29. Dezember 2025

HeiFa

Gerade erst habe ich bemerkt, dass ich hier den gestrigen Sonntag übergangen habe. Kurzer Nachtrag in drei Bildern:

Das Heilige Jahr schlossen wir in Saratow mit dem Gottesdienst am Fest der Heiligen Familie ab. Freude und Ernst müssen sich bei solchen Gelegenheiten nicht gegenseitig ausschließen... (Foto) 
Grundtenor der Predigt war diesmal das Gebet in der Familie: Gemeinsam beten kann nur, wer es auch allein gern tut. 

Ab Mittag feierten wir "Namenstag" des Klosters in Marx. Die "Saratower" und die "Marxer" gemeinsam, 16 Personen. Essen, Spaziergang, Beten, Abend am Kamin... Es war ein sehr schöner, weihnachtlicher Tag. 

Marx ist in diesen Tagen (Nächten) märchenhaft schön ... Seit Jahren steht in der Weihnachtszeit eine große Krippe draußen vor unserer Kirche. Auch Fremde kommen gern und fotografieren sich vor dem Stall. 

Samstag, 27. Dezember 2025

Ende des Heiligen Jahres

Morgen geht das Heilige Jahr in den Diözesen der Welt zu Ende. (Nur in Rom dauert es noch bis zum 6. Januar. Dann schließt Papst Leo die Heilige Pforte des Petersdoms.) Die Bischöfe haben in ihren Kathedralen zu sein. Es gibt Vorschläge für die Liturgie. Der Akzent liegt auf Dank und Erneuerung. 

Auch ich habe mich heute auf Morgen vorbereitet. Weil es das Fest der Heiligen Familie ist, möchte unser Pfarrer das Eheversprechen nicht weglassen, das Eheleute im Gottesdienst feierlich erneuern können. Es passt ja auch, eben als ein ganz konkreter Aspekt von Erneuerung. 

Außerdem habe ich mich gestern und heute mit einem sehr schönen Schreiben Papst Leos beschäftigt, das nun im Ergebnis auch in russischer Sprache vorliegt. Falls ein Priester hier im Blog lesen sollte, möchte ich ihm sehr empfehlen, das Schreiben des Papstes zu lesen. Auf der Homepage vom Vatikan kann man es in verschiedenen Sprachen abrufen. Es heißt: Eine Treue, die Zukunft schafft. Auch, wer nicht Priester ist, wird es mit Gewinn lesen. 

Freitag, 26. Dezember 2025

Weihnachten 2025 in Saratow

So, nun gibt es endlich ein paar Bilder von vorgestern Abend in Saratow. Immer noch zieht die Heilige Nacht überall auf der Welt Menschen in die Kirchen. Suche, Sehnsucht, Neugier, ... Wer weiß! Es war jedenfalls eine ehrfürchtige Atmosphäre im Gottesdienst, die an solchen Abenden nicht immer gelingt. Natürlich, die gläubigen katholischen Christen waren in der Überzahl.

Es ist inzwischen schon Jahrzehnte lange Tradition, dass statt einer Bescherung für alle, nur der jüngste und der ältesten Gottesdienstbesucher am Ende der Christmette eine Geschenk bekommen. Die Jüngste (Bild unten Mitte) war diesmal drei Jahre alt, der älteste 85. 

Der Herr, der mir da links unten zum Weihnachtsfest gratuliert, ist der stellvertretende Minister für Innenpolitik im Gebiet Saratow, der allen Versammelten Grüße des Gouverneurs überbrachte und uns, dann aber auch ausdrücklich den Eltern, für die christliche Erziehung der Kinder dankte. 
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